Einleitung: Der Bilderüberlegenheitseffekt
🔬 Ein Experiment
Szenario 1:
- Ein Erstklässler sieht das Wort "Elefant"
- 24 Stunden später
- Erinnerungsquote: 40%
Szenario 2 (Dasselbe anders):
- Kind sieht Bild eines Elefanten + das Wort "Elefant"
- 24 Stunden später
- Erinnerungsquote: 92%
🎯 Das Ergebnis
Gleiches Kind. Gleiches Wort. 2,3-mal bessere Behaltensleistung.
Dies nennt man den Bilderüberlegenheitseffekt (Paivio, 1971).
Die Dual-Coding-Theorie: Die wissenschaftliche Grundlage
Paivios Theorie (1971): Das menschliche Gehirn arbeitet mit zwei getrennten Verarbeitungssystemen
Das verbale System (Linke Hemisphäre)
Verarbeitet: Wörter, Buchstaben, Laute
Modus: Sequenziell (ein Wort nach dem anderen)
Beispiel: Der Buchstabe "A" ist ein willkürliches Symbol für den Laut /a/
Das visuelle System (Rechte Hemisphäre)
Verarbeitet: Bilder, Formen, Farben, räumliche Beziehungen
Modus: Parallel (das gesamte Bild wird gleichzeitig erfasst)
Beispiel: Das Bild eines Apfels ähnelt direkt einem echten Apfel
Wie Dual-Coding zu besserer Behaltensleistung führt
📖 Lernen nur mit Text (Wort "Elefant")
- Kodierung: Nur verbales System
- Speicherung: Eine einzige Gedächtnisspur
- Abruf: Ein Zugangsweg
- 24-Stunden-Erinnerung: 40%
🖼️ Lernen mit Bild + Text
- Kodierung: Verbal (Wort) + Visuell (Bild)
- Speicherung: Zwei Gedächtnisspuren
- Querverweise: Wort aktiviert Bild; Bild aktiviert Wort
- Abruf: Zwei Zugangswege (verbal ODER visuell)
- 24-Stunden-Erinnerung: 92%
Der 2,3-fache Multiplikator
| Lernbedingung | 24-Stunden-Erinnerung | Multiplikator |
|---|---|---|
| Nur Wörter | 40% | 1,0× (Basis) |
| Nur Bilder | 75% | 1,9× |
| Bilder + Wörter | 92% | 2,3× |
💡 Pädagogische Anwendung
Verbinden Sie immer Bilder mit Textbeschriftungen für maximale Lernwirkung.
Die konkret-ikonisch-symbolische Progression (EIS)
Jerome Bruners Stufen (1966): Kinder durchlaufen drei Lernmodi
Stufe 1: Enaktiv (Konkret, Alter 0-5)
Lernen: Durch physische Manipulation
Beispiel (3 + 2 = 5 beibringen):
- Schüler hält 3 Bauklötze + 2 Bauklötze
- Kombiniert, zählt: "1, 2, 3, 4, 5"
Materialien: Manipulatives (Bauklötze, Zähler)
Stufe 2: Ikonisch (Bildhaft, Alter 5-8)
Lernen: Visuelle Bilder repräsentieren konkrete Objekte
Beispiel:
- Arbeitsblatt zeigt: 🍎🍎🍎 + 🍎🍎 = ?
- Schüler zählt die Apfelbilder
- Schreibt Antwort: 5
✅ LessonCraftStudio.com Ausrichtung
- Additions-Generator (kinderfreundliche Symbole: Bilder ersetzen das + Symbol)
- Bilder-Sudoku (Bilder statt Zahlen)
- Mathe-Puzzle (Bildaufdeckung als Belohnung)
Verfügbar in: Core Bundle (144 €/Jahr), Vollzugang (240 €/Jahr)
Stufe 3: Symbolisch (Abstrakt, Alter 8+)
Lernen: Abstrakte Symbole
Beispiel:
- Aufgabe: 3 + 2 = ?
- Schüler rechnet mental (keine Bilder)
Wann Bilder entfernen: Nach Beherrschung mit visueller Unterstützung (4-6 Wochen)
Entwicklungsbereitschaft: Piagets Stufen
Wann Kinder Abstraktionen verarbeiten KÖNNEN und NICHT KÖNNEN:
Präoperationale Phase (Alter 2-7)
✅ KANN:
- Bilder erkennen
- Identische Bilder zuordnen
- Physische Objekte zählen
❌ KANN NICHT:
- "3" als abstraktes Konzept verstehen
- Symbole mental manipulieren
- Operationen umkehren (wenn 3 + 2 = 5, dann 5 − 2 = ?)
⚠️ Konsequenz
Vorschule bis 1. Klasse BENÖTIGT bildbasierte Arbeitsblätter
Konkret-operationale Phase (Alter 7-11)
✅ KANN:
- Invarianz verstehen (5 Äpfel = 5 Orangen = 5 Spielzeuge)
- Operationen umkehren
- Objekte klassifizieren
❌ KANN NICHT:
- Rein abstrakt denken (Algebra mit x, y Variablen)
- Hypothetisch denken
💡 Konsequenz
Klasse 2-5 profitiert von Bildern, kann zu Symbolen übergehen
Formal-operationale Phase (Alter 11+)
✅ KANN:
- Abstraktes Denken
- Hypothetische Logik
- Metakognition
💡 Konsequenz
Ab Mittelstufe können reine Abstraktionen bewältigt werden
Wann alle Bilder entfernen: Nach Klasse 5 für durchschnittliche Schüler
Forschungsbasierte Gestaltungsprinzipien
Prinzip 1: Kontiguität (Mayer, 2009)
📍 Regel
Platzieren Sie Bilder DIREKT NEBEN dem entsprechenden Text
❌ Schlecht: Alle Bilder oben Aller Text unten Problem: Arbeitsgedächtnis überlastet (Bild vergessen, bevor Text gelesen)
✅ Gut: 🐶 → Hund 🐱 → Katze 🐭 → Maus Warum: Bild + Text werden gleichzeitig verarbeitet
Plattform-Implementierung: Wort-Durcheinander, Kreuzworträtsel, Wort-Raten
Prinzip 2: Kohärenz (Mayer, 2009)
🎯 Regel
Nur RELEVANTE Bilder einbeziehen. Dekorative Bilder schaden dem Lernen.
❌ Schlecht
Wort-Durcheinander + dekorative Blumen, Sterne, Smileys
Resultat: 15% geringere Behaltensleistung
✅ Gut
Wort-Durcheinander + nur Wetter-Vokabular-Bilder
Resultat: 100% Aufmerksamkeit auf Lerninhalt
Plattform-Design: 3.000+ kuratierte Bildungsbilder, minimale Dekoration
Prinzip 3: Einfachheit (Sweller, 1988)
🔍 Regel
Verwenden Sie einfache, klare Bilder. Vermeiden Sie komplexe Illustrationen.
❌ Schlecht
"Hund" beibringen → Bild zeigt Hund + Katze + Vogel + Baum + Haus + Himmel
Resultat: Kognitive Überlastung (6 Objekte zu verarbeiten)
✅ Gut
"Hund" beibringen → Bild zeigt nur Hund, weißer Hintergrund
Resultat: Fokussierte Aufmerksamkeit
Plattform-Bibliothek: Isolierte Objekte, hoher Kontrast, Einzelobjekt-Fokus
Prinzip 4: Visuelle Konsistenz (Bartlett, 1932)
🎨 Regel
Verwenden Sie konsistenten Stil über verwandte Arbeitsblätter hinweg
Warum: Schüler bauen visuelle Schemata auf (mentale Vorlagen)
❌ Inkonsistent: - Woche 1: Hund im Cartoon-Stil - Woche 2: Hund im fotorealistischen Stil - Verwirrung: Gehirn hat Schwierigkeiten mit Kategorienbildung ✅ Besser: - Wochen 1-10 verwenden konsistenten Illustrationsstil
Plattform: Kuratierte Bibliothek erhält Stilkonsistenz innerhalb von Themen
28 von 33 Generatoren nutzen Dual-Coding
Literacy & Phonics (8 von 9 = 89%)
- Wortsuche ✅
- Kreuzworträtsel ✅ (Bild-Hinweise)
- Kryptogramm ✅ (Buchstaben-zu-Bild-Chiffre)
- Wort-Durcheinander ✅
- Wort-Raten ✅
- Alphabet-Zug ✅
- Schreibübung ❌ (Fokus auf Handschrift)
- Zuordnungs-Generator ✅
- Bilder-Bingo ✅
Mathematik (6 von 6 = 100%)
- Addition ✅ (Optional kinderfreundliche Symbole)
- Subtraktion ✅
- Code-Addition ✅
- Mathe-Puzzle ✅ (Bildaufdeckung)
- Mathe-Arbeitsblatt ✅ (Obst-/Stern-Symbole)
- Bilder-Sudoku ✅
Visuelle Diskriminierung (8 von 8 = 100%)
Generator 16-23: Objekte finden, Schatten-Zuordnung, Fehlende Teile, Groß/Klein, Odd One Out, Bilder sortieren, Diagramm zählen, Schatzsuche
Alle nutzen Bilder ✅
Mustererkennung (4 von 4 = 100%)
Generator 24-27: Muster-Arbeitsblatt, Muster-Zug, Bilder-Pfad, Präpositionen
Alle nutzen Bilder ✅
Feinmotorik (6 von 6 = 100%)
Generator 28-33: Linien zeichnen, Raster-Zeichnung, Bingo, Ausmalen, Zuordnen, Raster-Zuordnung
Alle nutzen Bilder ✅
📊 Gesamt: 28 von 33 = 85% plattformweite Dual-Coding-Implementierung
Warum 5 nicht: Schreibübung konzentriert sich auf Buchstabenbildung (Bilder würden ablenken)
Wann Bilder entfernen (Scaffolding-Abbau)
Wygotskis Zone der nächsten Entwicklung angewendet:
Stufe 1: Maximale Unterstützung
Bilder + Text + Farbe + große Schriften
Beispiel: Wort-Raten Einfach-Modus, Bilder aktiviert
Stufe 2: Moderate Unterstützung
Bilder + Text, Scaffolding reduzieren
Beispiel: Wort-Raten Normal-Modus, Bilder aktiviert
Stufe 3: Minimale Unterstützung
Nur Text ODER nur Bilder
Beispiel: Wort-Raten Schwer-Modus, Bilder deaktiviert
Stufe 4: Selbstständig
Rein abstrakte Symbole
Beispiel: Traditioneller Rechtschreibtest (keine Bilder, keine Hinweise)
📋 Bewertungsrichtlinie
90% Genauigkeit für 3 aufeinanderfolgende Wochen → Unterstützung reduzieren
Beispiel-Progression (8 Wochen, 2. Klasse)
- Wochen 1-2: Einfach + Bilder → 85% (weiter üben) - Wochen 3-4: Einfach + Bilder → 92% (beherrscht, vorwärts) - Wochen 5-6: Normal + Bilder → 88% (fortsetzen) - Wochen 7-8: Normal + Bilder → 93% (beherrscht, vorwärts) - Woche 9: Schwer, keine Bilder → Neue Herausforderung
Besondere Schülergruppen: Wann Bilder unverzichtbar sind
DaZ/DaF-Lernende (Deutsch als Zweit-/Fremdsprache)
Warum unverzichtbar:
- Deutscher Wortschatz unbekannt (verbaler Code existiert noch nicht)
- Visueller Code bietet semantischen Anker
- Sprachübergreifender Transfer (Bild aktiviert Muttersprache-Wort)
Plattform: 11-sprachige Benutzeroberfläche + Bilder = maximale DaZ-Unterstützung
Schüler mit Legasthenie
Warum Bilder helfen:
- Dekodierungsschwierigkeiten (das Lesen von "Elefant" ist mühsam)
- Visueller Code umgeht phonologische Verarbeitung
- Reduziert kognitive Belastung
Schüler mit Autismus
Warum unverzichtbar:
- Präferenz für visuelles Denken (Temple Grandin: "Ich denke in Bildern")
- Stärke im konkreten Denken
- Vorhersagbarkeit (konsistente visuelle Schemata reduzieren Angst)
Preise & Zugang
Kostenlose Version
Nur Wortsuche (mit Wasserzeichen)
- Nutzt Dual-Coding (Bilder verfügbar)
Core Bundle
10 Generatoren (8 nutzen Dual-Coding)
- Wort-Durcheinander, Bilder-Sudoku, Objekte finden
- Addition, Kreuzworträtsel, Wortsuche
- Bingo, Zuordnungs-Generator, Alphabet-Zug
- +1 weitere
Vollzugang (Empfohlen)
Alle 33 Generatoren (28 nutzen Dual-Coding)
- Kompletter Plattformzugang
- Alle zukünftigen Updates
- Premium-Support
Häufig gestellte Fragen
Werden Schüler nicht abhängig von Bildern?
Nein, wenn Sie die Scaffolding-Abbau-Strategie verwenden
Richtige Progression:
- Mit Bildern einführen (6-10 Wochen)
- Bildunterstützung schrittweise reduzieren
- Endgültige Beherrschung ohne Bilder
Analogie: Stützräder am Fahrrad → Entfernen, wenn Gleichgewicht erreicht
Sind Arbeitsblätter mit Bildern nur für kleine Kinder?
Nein. Der Bilderüberlegenheitseffekt gilt für alle Altersgruppen.
Wie viele Bilder pro Arbeitsblatt sind zu viele?
Richtlinie für kognitive Belastung (Sweller, 1988):
- Vorschule-Kindergarten: 3-6 Bilder
- Klasse 1-2: 6-10 Bilder
- Klasse 3-5: 10-15 Bilder
Qualität > Quantität: 6 relevante Bilder schlagen 20 teilweise relevante
Fazit
60+ Jahre Forschung konvergieren zu einem Ergebnis: Bilder + Wörter übertreffen Wörter allein um das 2,3-fache
🔬 Die Forschung ist unwiderlegbar:
- Paivios Dual-Coding-Theorie (1971): Zwei Gedächtniscodes sind besser als einer
- Mayers multimediales Lernen (2009): Kontiguität, Kohärenz, Einfachheit maximieren Vorteile
- Bruners EIS-Progression (1966): Kinder brauchen enaktiv → ikonisch → symbolisch
💡 Die entscheidende Erkenntnis
28 von 33 Generatoren implementieren Dual-Coding, weil die Forschung unwiderlegbar ist.
Die Frage lautet: "Bin ich bereit, auf 2,3-fache Behaltensleistung zu verzichten, indem ich KEINE Bilder verwende?"
🎯 Das Versprechen
Ihre Schüler erinnern sich 2,3-mal mehr, wenn visuelle und verbale Codes zusammenarbeiten.
Bereit, die Kraft des Dual-Coding zu nutzen?
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Quellenangaben
1. Paivio, A. (1971). Imagery and Verbal Processes. [Dual-Coding-Theorie, 2,3× Behaltensleistung]
2. Mayer, R. E. (2009). Multimedia Learning (2. Aufl.). [Kontiguität, Kohärenz, Einfachheit]
3. Bruner, J. S. (1966). Toward a Theory of Instruction. [Enaktiv-Ikonisch-Symbolisch]
4. Sweller, J. (1988). "Cognitive load during problem solving." Cognitive Science, 12(2), 257-285.
5. Nation, I. S. P. (2001). Learning Vocabulary in Another Language. [DaZ 2,7× mehr Wörter mit Bildern]
6. Snowling, M. J. (2000). Dyslexia (2. Aufl.). [34% besseres Verständnis mit Bildern]
7. Gray, C. (1994). The New Social Story Book. [Autismus 3× schnelleres Lernen mit Visualisierungen]
8. Nelson, D. L., et al. (1976). "Pictorial superiority effect." Journal of Experimental Psychology, 2(5), 523-528. [Erwachsene: 65% vs. 10% nach 3 Tagen]


