Einleitung: Die Herausforderung des ersten Schuljahres
Realitätscheck: Das erste Jahr im Lehrerberuf ist überwältigend.
⚠️ Typische Herausforderungen für Berufseinsteiger
Zeitmanagement:
- Unterrichtsvorbereitung dauert 3-4 Stunden täglich (Abende und Wochenenden)
- Man fühlt sich nie „fertig" oder „vorbereitet"
- Hohes Burnout-Risiko
Klassenführung:
- Schüler testen Grenzen aus
- Regeln und Abläufe noch nicht etabliert
- Häufige Verhaltensprobleme
Materialerstellung:
- Arbeitsblätter von Grund auf erstellen (Stunden pro Arbeitsblatt)
- Uneinheitliche Qualität
- Urheberrechtliche Bedenken beim Nutzen fremder Materialien
Ergebnis: 50% der Berufseinsteiger brechen innerhalb von 5 Jahren ab
✅ Lösung: Systeme + Ressourcen + realistische Erwartungen
Mit etablierten Systemen:
- Planungszeit um 70% reduziert (durch vorgefertigte Ressourcen)
- Reibungslose Klassenführung (klare Abläufe)
- Gleichbleibende Qualität (professionelle Materialien)
Ergebnis: Erstes Jahr herausfordernd, aber bewältigbar
💡 Kernprinzip
Das Rad nicht neu erfinden – bewährte Systeme nutzen
August: Vor dem ersten Schultag
Vorbereitung vor Schuljahresbeginn
Woche 1-2: Physische Klassenraumeinrichtung
Unverzichtbare Stationen:
1. Lehrerschreibtisch/Arbeitsbereich
- Material: Tacker, Klebeband, Schere, Stifte
- Klassenbuch/Planer
- Nachschlagewerke
2. Schülertische/Sitzordnung
- Anordnung: Reihen, Gruppen oder U-Form
(anfangs Reihen für bessere Kontrolle)
- Namensschilder bereit (erste Woche)
- Material-Boxen (bei gemeinsamen Materialien)
3. Abgabebereich
- Beschriftete Körbe nach Fächern (Mathe, Deutsch, Sachkunde)
- Schüler wissen, wo sie Arbeiten abgeben (ohne nachzufragen)
4. Materialbereich
- Box mit zusätzlichen Arbeitsblättern (für fehlende Schüler)
- Materialstation (Bleistifte, Radiergummis, Buntstifte)
- Lösungsblätter (bei selbstkontrollierenden Systemen)
5. Klassenbibliothek
- Bücher nach Niveau oder Genre sortiert
- Einfaches Ausleihsystem (Logbuch)
Zeitaufwand: 2 volle Tage
(schafft aber die Basis fürs ganze Jahr)
Woche 3: Planung des ersten Monats
September im Voraus planen:
Wesentliche Planungsschritte
1. Zu vermittelnde Lehrplaninhalte
- Schulinterner Lehrplan durchsehen
- Kernkompetenzen für September identifizieren
- In Wocheneinheiten aufteilen
2. Leistungsüberprüfungen planen
- Woche 1: Lernstandsdiagnosen (Wo stehen die Schüler?)
- Woche 4: Erste Lernzielkontrolle
- Laufend: Wöchentliche Kurzkontrollen
3. Arbeitsblätter für den gesamten Monat erstellen
- Mathe: 4 Wochen × 5 Tage = 20 Arbeitsblätter
- Deutsch: 20 Übungsblätter
- Wortschatz: 4 Wortsuchrätsel (eines pro Woche)
- Gesamter Erstellungsaufwand: 20 Min. pro Fach = 2 Stunden insgesamt
4. Notfall-Vertretungsplan
- 3 vollständige Vertretungstage vorbereiten (bei Krankheit)
- In klar beschriftetem Ordner aufbewahren
- Sekretariat über Aufbewahrungsort informieren
Ergebnis: September komplett geplant (reduziert Stress im ersten Monat erheblich)
Woche 4: Abläufe und Routinen
Alle Abläufe schriftlich festhalten:
Ablaufhandbuch erstellen (für sich selbst und Vertretungen): Morgenroutine: 1. Schüler kommen an (8:20 Uhr) 2. Ranzen aufhängen 3. Hausaufgaben abgeben (falls vorhanden) 4. Morgenarbeit holen 5. Bis 8:30 Uhr arbeiten 6. Durchsagen anhören Übergangsabläufe: - Signal für Aufmerksamkeit (Triangel) - Aktuelle Tätigkeit beenden (30 Sek.) - Material für nächste Aktivität holen (30 Sek.) - Neue Aktivität beginnen (sofort) Toilette/Trinken: - Handzeichen zum Fragen - Nur 1 Schüler gleichzeitig draußen (Toilettenschild sichtbar) - Rückkehr innerhalb 5 Minuten Unterrichtsende: - 5 Minuten vor Pausengong: Arbeitsplatz aufräumen - 3 Minuten: Exit-Ticket ausfüllen - 1 Minute: An der Tür aufstellen - Gong ertönt: Entlassung Jeden Ablauf dokumentieren (nicht auf Gedächtnis verlassen, aufschreiben)
September: Der erste Monat – Survival-Modus
Woche 1: Routinen etablieren
Nicht auf Fachinhalte fokussieren (Fokus auf Verhaltenserwartungen):
Montag: - Schüler herzlich begrüßen (erster Eindruck zählt) - Klassenraum-Rallye (Schnitzeljagd-Arbeitsblatt: „Finde den Anspitzer") - Morgenroutine einführen - Morgenroutine 3× üben (vormachen, anleiten, selbstständig) Dienstag: - Morgenroutine wiederholen (sollte flüssiger laufen) - Übergangsablauf #1 einführen (Platz → Sitzkreis) - 5× üben (wird langweilig, etabliert aber Gewohnheit) - „Alles über mich"-Arbeitsblatt (Schüler kennenlernen) Mittwoch: - Ablauf #2 einführen (Arbeiten abgeben) - Ablauf für Unterrichtsende üben - Klassenregeln gemeinsam erarbeiten (Plakat gestalten) Donnerstag: - Gang-Ablauf einführen - Weg zu Fachräumen üben (Musik, Kunst, Sport) - Klassendienste verteilen (Arbeitsblatt: Bewerbungsformular) Freitag: - Alle diese Woche gelernten Abläufe wiederholen - Feiern: „Wir haben gelernt, wie unser Klassenzimmer funktioniert!" - Minimaler Fachunterricht (Woche fokussiert auf Klassenführung)
Woche 2: Fachliche Routinen beginnen
Langsam fachliche Arbeit integrieren:
Montag-Dienstag: Lernstandsdiagnosen
- Lesen: Leseflüssigkeit prüfen (1-minütiges lautes Lesen)
- Mathe: Arbeitsblatt auf Klassenniveau (20 Aufgaben)
- Schreiben: Schreibprobe („Meine Sommerferien")
Zweck: Ausgangsniveau der Schüler kennen (informiert Unterricht)
Hinweis: Nicht benotet! Nur diagnostisch.
Mittwoch-Freitag: Unterricht beginnen
- Kurze Lektionen (15-20 Min. direkte Instruktion)
- Viel Übungszeit (Arbeitsblätter in der Klasse mit Lehrerunterstützung)
- Häufig Verständnis überprüfen
Vermeiden: 45 Minuten neue Inhalte am Stück unterrichten
Besser: 15 Min. lehren → 20 Min. üben → 10 Min. wiederholen
Woche 3-4: Selbstständigkeit etablieren
Schüler arbeiten zunehmend selbstständig:
Ziel: Schüler bearbeiten Arbeitsblätter ohne ständige Lehrerunterstützung
Woche 3:
- „Frag 3, bevor du mich fragst" einführen (Aufgabe nochmal lesen → Materialien prüfen → Mitschüler fragen → dann Lehrer)
- Selbstkontrolle einführen (Lösungsblatt-Station)
- Routine für schnelle Schüler üben (Wahlaufgaben)
Woche 4:
- Kleingruppenunterricht beginnt (Lehrer arbeitet mit 5 Schülern)
- Rest der Klasse: Selbstständige Arbeit (Arbeitsblätter, Lesen)
- Schüler managen eigenes Lernen (minimale Unterbrechungen)
Meilenstein: Ende September können Schüler 20-30 Minuten selbstständig arbeiten
Unverzichtbare Arbeitsblatt-Systeme für Berufseinsteiger
Morgenarbeit (Warm-Up)
Warum kritisch für Berufseinsteiger
Gelöstes Problem: Schüler kommen zu unterschiedlichen Zeiten an (8:15-8:30 Uhr)
- Ohne Morgenarbeit: Frühankommende plaudern, werden unruhig, Verhaltensprobleme
- Mit Morgenarbeit: Alle sofort bei Ankunft beschäftigt
Einrichtung:
- 20 Morgenarbeits-Blätter erstellen (eines pro Schultag im Monat)
- Je 30 Kopien drucken (600 Seiten gesamt)
- In Korb nahe der Tür legen
- Schüler nehmen automatisch bei Ankunft
Inhalt: Wiederholungsmaterial (5 kurze Aufgaben, dauert 10 Minuten)
Zeitersparnis: Kein Management von Frühankömmlingen mehr (sie sind sofort beschäftigt)
Wöchentliche Übungsroutine
Vorhersagbare Routine: Montag: Mathe Rechenübung (20 Aufgaben) Dienstag: Wortschatz-Wortsuchrätsel (aktuelle Einheitsthemen) Mittwoch: Mathe Textaufgaben (Anwendung) Donnerstag: Leseverständnis-Text (eine Seite) Freitag: Wiederholungsspiel oder Knobel-Rätsel Vorteile für Berufseinsteiger: - Vorhersagbar (weniger Planung) - Schüler kennen Routine (weniger Erklärungen) - Kontinuierliche Übung (Kompetenzentwicklung) Erstellung: 5 Arbeitsblätter × 42 Sek. = 3,5 Minuten pro Woche Jahresaufwand: 3,5 Min. × 36 Wochen = 126 Minuten (2,1 Stunden fürs ganze Jahr) Vergleich: Von Grund auf erstellen (40 Min. pro Blatt × 180 = 120 Stunden!)
Leistungsüberprüfungssystem
💡 Wissen, ob Schüler lernen
Wöchentlich: Exit-Tickets (3-5 Fragen, letzte 5 Minuten des Tages)
- „Heute haben wir ____ gelernt. Zeig mir, dass du es verstanden hast."
- Schnellcheck: Verstehen die Schüler es?
Zweiwöchentlich: Kurztest (10 Fragen, 15 Minuten)
- Umfasst 2 Wochen Unterricht
- Identifiziert, wer Wiederholung braucht
Monatlich: Lernzielkontrolle (20-30 Fragen, 30-45 Minuten)
- Umfassende Überprüfung
- Geht ins Notenbuch
Vorteil für Berufseinsteiger: Daten zeigen, was funktioniert (Unterricht entsprechend anpassen)
Zeitsparende Strategien
Wöchentliche Planungssitzungen
Sonntagsnachmittag-Routine (2 Stunden)
- 30 Minuten: Kommende Wochenlehrplaninhalte durchsehen
- 30 Minuten: Alle Arbeitsblätter für die Woche erstellen (Mathe, Deutsch, Sachkunde)
- 30 Minuten: Lösungsblätter erstellen, Materialien organisieren
- 30 Minuten: Unterricht planen (Arbeitsblätter als Übung nach kurzer Instruktion nutzen)
Ergebnis: Woche zu 100% geplant in 2 Stunden
Vorteil: Abende frei (keine Mitternachtsplanung)
Monatliche Stapelerstellung
✅ Noch effizienter: Ein Samstag pro Monat (4 Stunden)
Erstellen: Alle Arbeitsblätter für den gesamten Monat (alle Fächer)
September-Samstag:
- Mathe: 20 Arbeitsblätter
- Deutsch: 20 Arbeitsblätter
- Wortschatz: 4 Wortsuchrätsel
- Sachkunde: 8 Arbeitsblätter
- Gesamt: 52 Arbeitsblätter
Zeit: 4 Stunden (vs. 40+ Stunden von Grund auf erstellen)
Vorteil: Monat fertig vorbereitet (weniger wöchentlicher Stress)
Häufige Anfängerfehler vermeiden
Fehler 1: Unterricht überfrachten
⚠️ Problem
Berufseinsteiger: Plant aufwendige 45-Minuten-Lektion
Realität: Lektion dauert 15 Minuten ODER 90 Minuten (selten wie geplant)
Ergebnis: Verschwendete Zeit oder zu wenig Material
✅ Lösung
- Kürzer planen: 15-20 Minuten Mini-Lektionen
- Backup haben: Zusätzliche Arbeitsblätter bereit, falls Zeit übrig
- Flexibilität: Je nach Verlauf anpassen
Fehler 2: Keine Abläufe für alles
⚠️ Problem
Lehrer: „Holt euer Mathebuch raus"
Chaos: 30 Schüler wühlen in Schultaschen (5 Minuten verschwendet)
Täglicher Effekt: 10 Übergänge × 5 Min. = 50 Minuten verloren
✅ Lösung
Ablauf: „Ihr habt 30 Sekunden, euer Mathebuch zu holen. Timer startet jetzt."
Ergebnis: Schneller, geordneter Übergang
Fehler 3: Alles selbst erstellen wollen
⚠️ Problem
Berufseinsteiger: „Ich erstelle alle meine eigenen Arbeitsblätter" (Stolz/Perfektionismus)
Realität: 1 Stunde pro Arbeitsblatt × 180 Tage = 180 Stunden
Ergebnis: Burnout, Erschöpfung, Berufsausstieg
✅ Lösung
Generatoren nutzen: 42 Sekunden pro Arbeitsblatt
Zeitersparnis: 179 Stunden pro Jahr (für andere Prioritäten wie Korrigieren, Elternkommunikation)
Fehler 4: Beste Freunde mit Schülern sein
⚠️ Problem
Berufseinsteiger: Will, dass Schüler sie mögen (natürlicher Wunsch)
Fehler: Zu freundschaftlich, unklare Grenzen
Ergebnis: Schüler respektieren Autorität nicht, Klassenführungsprobleme
✅ Lösung
- Erstes Halbjahr: Streng, klare Erwartungen, konsequente Folgen
- Zweites Halbjahr: Kann lockerer werden, sobald Respekt etabliert ist
- Alte Weisheit: „Lächle nicht vor Weihnachten" (alte Regel, aber mit Wahrheitsgehalt)
- Balance: Freundlich aber bestimmt (nicht gemein, aber kein Pushover)
Hilfe und Unterstützung bekommen
Mentor finden
In Ihrer Schule
Identifizieren: Erfahrener Lehrer mit guter Klassenführung
Fragen: „Kann ich während meiner Freistunde in Ihrer Klasse hospitieren?"
Lernen: Wie sie Übergänge handhaben, Anweisungen geben, Verhalten managen
Monatlicher Kaffee: Fragen stellen, Rat einholen
- „Was machst du, wenn...?"
- „Wie gehst du um mit...?"
Vorteil: Von jemandem lernen, der es bereits herausgefunden hat
Lehrergemeinschaften beitreten
💡 Online-Unterstützung
- Facebook-Gruppen: [Klassenstufe/Fach] Lehrer Deutschland
- Reddit: r/lehrerzimmer (Frustabbau + Ratschläge)
- Twitter/X: #twlz #edchatde (Ressourcen + Ermutigung)
Vorteil: Erkennen, dass man nicht allein ist (alle haben im ersten Jahr Schwierigkeiten)
Preisgestaltung für Berufseinsteiger
Core-Paket
- ✅ Materialien für den ersten Monat (gesamter September in 2 Stunden geplant)
- ✅ Tägliche Morgenarbeit (180 Tage Morning-Worksheets)
- ✅ Leistungsüberprüfungssystem (Exit-Tickets, Tests, Lernzielkontrollen)
- ✅ Ablaufübungen (Routinen-Arbeitsblätter, Materialien erste Woche)
Wert für Berufseinsteiger:
- Zeitersparnis: 179 Stunden pro Jahr (vs. von Grund auf erstellen)
- Stressreduktion: Materialien immer bereit
- Professionelle Qualität: Arbeitsblätter sehen poliert aus
- Energie fokussieren: Zeit fürs Unterrichten, nicht Materialerstellung
Investition: 144€/Jahr = 0,80€ pro Schultag (unglaublicher ROI für eingesparte Zeit)
Starten Sie Ihr erstes Jahr stark
Sie können das erste Jahr überstehen und erfolgreich sein – die richtigen Systeme und Unterstützung machen den Unterschied.
Fazit
Das erste Jahr im Lehrerberuf ist herausfordernd – Systeme und Ressourcen machen es bewältigbar (50% Ausstiegsrate ohne Unterstützung).
Kernpunkte zusammengefasst
August-Vorbereitung: Klassenraumeinrichtung (2 Tage), Monatsplanung (2 Stunden), Ablaufhandbuch (alles dokumentieren)
Woche 1 Fokus: Routinen etablieren (NICHT Fachinhalte), Abläufe 3-5× üben, Fundament bauen
Woche 2: Lernstandsdiagnosen (Leseflüssigkeit, Mathe, Schreiben), Ausgangsniveau kennen, kurze Lektionen + Übung
Morgenarbeit: Morning-Worksheets (Schüler sofort bei Ankunft beschäftigt), 10-Minuten-Wiederholung, beseitigt Ankunftschaos
Wochenroutine: Vorhersagbarer Ablauf (Montag Rechnen → Freitag Knobeln), weniger Planung, kontinuierliche Übung
Zeitersparnis: Wöchentliche 2-Stunden-Planung (vs. nächtliches Hektik), monatliche Stapelerstellung (4 Stunden = ganzer Monat fertig)
Fehler vermeiden: Nicht überfrachten (15-Min.-Lektionen besser), Abläufe für alles (Zeit sparen), Generatoren nutzen (nicht alle Materialien erstellen), freundlich aber bestimmt (nicht beste Freunde)
Unterstützung holen: Mentor finden (erfahrener Lehrer), Communities beitreten (Sie sind nicht allein), Fragen stellen (alle hatten Schwierigkeiten im ersten Jahr)
Literaturverweise
- Ingersoll, R. M. (2012). "Beginning teacher induction: What the data tell us." Phi Delta Kappan, 93(8), 47-51. [50% der Lehrer steigen innerhalb von 5 Jahren aus]
- Wong, H. K., & Wong, R. T. (2009). The First Days of School: How to Be an Effective Teacher. Harry K. Wong Publications. [Die ersten 2 Wochen bestimmen das ganze Jahr]


